Der „Österreich“-Herausgeber Wolfgang Fellner hat ein Blog, wo er von Zeit zu Zeit seine Gedanken veröffentlicht. Diesmal äußert sich Herr Fellner über den Nahostkonflikt – und zeigt wie paradox, ja wie widersprüchlich man den Nahostkonflikt sehen kann, wenn man die Wahrheit nicht wahrhaben will, oder wenn, noch schlimmer, ein genügender Background fehlt.
Der Schock über die blutigen Bilder aus dem Gaza-Streifen sitzt tief. Von allen Kriegen der letzten Jahre ist der Einmarsch der Israelis in Gaza der sinnloseste und unverantwortlichste Feldzug seit Langem.
Gerade wir Österreicher haben gegenüber Israel eine besondere Verpflichtung. Israel hat ein Recht auf einen eigenen Staat – frei von Terror, von Bedrohung, von Leid. Die – vom Iran gesponserte – Hamas verletzt dieses Recht der Israelis. Wie eine Horde Lausbuben schießen diese durchaus gefährlichen Möchtegern-Terroristen seit Jahr und Tag Raketen auf israelische Siedlungen. Die UNO, die EU, die USA vor allem aber auch die arabischen Nachbarn haben es monatelang versäumt, diesem absurden Krampus-Treiben ein Ende zu setzen und Israel den Frieden zu garantieren.
Bei allem Verständnis für den Friedenswunsch der Israelis – und bei allem Unverständnis über die ganz gezielten, vom Iran finanzierten Provokationen der Hamas-Horden, die als Terroristen gestoppt werden müssen …
… die Reaktion der Israelis ist völlig unverhältnismäßig. Eine hochgerüstete Top-Armee marschiert mit aller Brutalität in eine wehrlose Kleinstregion ein. Sie tötet dabei naturgemäß nicht nur Terroristen, sondern Hunderte Kinder, Mütter, Zivilpersonen. Sie bringt Leid über ohnehin bereits leidgeprüfte Palästinenser-Familien.
Da erkennt Fellner ja sogar noch die einzigen Hauptverursacher des Konflikts völlig richtig, aber gleichzeitig verwendet er das Lieblingswort der Kritiker des israelischen Einsatzes – „unverhältnismäßig“. Nun: Das Komische ist, dass keiner der Kritiker diese „Unverhältnismäßigkeit“ weder erklären kann, noch werden Vorschläge gemacht,welche Optionen Israel sonst hätte wahrnehmen sollen. Was wäre verhältnismäßig für Israel? Wäre Israel „verhältnismäßig“ gewesen, hätte Israel in den letzten 8 Jahren auf jede einzelne der 10.000 Hamas-Raketen mit einer eigenen Rakete reagiert. Dies hat Israel aber nicht getan, weil Israel so wenig unschuldige Menschen wie nur möglich töten will – und jede Möglichkeit sucht, um einen Krieg zu vermeiden. Fellner billigt wie so viele Menschen der Hamas indirekt Narrenfreiheit zu, indem er Israel das Recht abspricht, mit eigenen Mitteln zu antworten. Soll die israelische Armee ihre Schutzkleidung abwerfen, Barfuß herumlaufen, 20 Jahre alte Gewehre benutzen, um eine „Verhältnismäßigkeit“ darzustellen? Wie soll man in Augen Fellners und der Anderen „verhältnismäßig“ mit Terroristen umgehen, die Zivilisten als Schutzschild benutzen? Dass es daher zivile Opfer gibt, ist klar. Eine Lüge von Fellner ist es, von „hunderten“ zu sprechen, denn die meisten Opfer des Konflikts sind bis jetzt Mitglieder der Hamas. Und bei allem Leid der Zivilbevölkerung darf man die Selbstverantwortung nicht außer acht lassen. Ein Großteil der Palästinsener befürwortet Selbstmordattentate auf israelische Zivilisten – ein Faktor, den man berücksichtigen sollte, auch als Journalist.
Guten Journalismus findet man nicht in österreichischen, sondern in englischsprachigen Medien, wie zB dieser Artikel, der das „Argument“ der „Unverhältnismäßigkeit“ locker und leicht zerpflückt:
The charge that Israel uses disproportionate force keeps resurfacing whenever it has to defend its citizens from non-state terrorist organizations and the rocket attacks they perpetuate. From a purely legal perspective, Israel’s current military actions in Gaza are on solid ground.
Under international law, Israel is not required to calibrate its use of force precisely according to the size and range of the weaponry used against it. Israel is not expected to make Kassam rockets and lob them back into Gaza.
When international legal experts use the term „disproportionate use of force,“ they have a very precise meaning in mind. As the president of the International Court of Justice (ICJ) in The Hague, Rosalyn Higgins, has noted, proportionality „cannot be in relation to any specific prior injury – it has to be in relation to the overall legitimate objective of ending the aggression.“
In other words, if a state, like Israel, is facing aggression, then proportionality addresses whether force was specifically used by Israel to bring an end to the armed attack against it. By implication, force becomes excessive if it is employed for another purpose, like causing unnecessary harm to civilians.
The pivotal factor determining whether force is excessive is the intent of the military commander. In particular, one has to assess what was the commander’s intent regarding collateral civilian damage.
What about reports concerning civilian casualties? Some international news agencies have stressed that the vast majority of those killed in the first phase of the current Gaza operation were Hamas operatives.
Ibrahim Barzak and Amy Teibel wrote for the Associated Press on December 28 that most of the 230 Palestinians who were reportedly killed were „security forces,“ and Palestinian officials said „at least 15 civilians were among the dead.“