Als vor vielen Jahrzehnten die Nationalsozialisten in Österreich einmarschierten, wurden sie, das ist mittlerweile von der Geschichtswissenschaft geklärt, großteils stürmisch empfangen. Selbst hochrangige Nationalsozialisten waren über diese Hysterie überrascht, ja wunderten sich, wie konsequent der nationalsozialistische Erlösungsantisemitismus in Österreich umgesetzt wurde. Halten wir uns in Erinnerung, wer zuerst in die Lager kam: Nein, nicht bevorzugt Juden, sondern Kommunisten, Sozialdemokraten, Regimekritiker und – Intellektuelle. Das Ziel jeder Diktatur ist es, das kritische Denken eines Volkes durch Propaganda, Gehirnwäsche und Liquidierung von Personen zu zerschmettern. Und das haben die Nationalsozialisten wahrlich geschafft: Wären in Österreich nicht so viele intelligente Menschen ausgewandert, wäre das Österreich das Land mit den meisten Nobelpreisträgern. Es versteht sich von selbst, dass Österreich nach dem Krieg nicht versucht hat, diese Menschen zurückzuholen – man wollte sie nicht, diese lästigen Intellektuellen, die an allem etwas auszusetzen hatten. Zudem die Entnazifizierung darauf vergessen hatte, dem Volk beizubringen, wie wichtig Intellektuelle für die Entwicklung und Geschichte eines Landes eigentlich sein können.
Seit dieser Zeit haben es Intellektuelle in Österreich schwer. Sie sind Nestbeschmutzer, Volksverräter, „Obergscheide“, Nörgler, Schmarotzer, Bummelstudenten, Nichtsnutze, Taugenichtse. Statt auf die Leistungen der Wissenschaft stolz zu sein, verehrt man hier den Sport und ihre Helden abgöttisch, sei es Karl Schranz, Franz Klammer oder Hermann Maier. Männer aus dem Volk, keine besonderen Schöngeister, aber einfache, bodenständig gestrickte Personen.
Umso verwirrter war man, als vor einigen Jahren bei einem Schwimmwettbewerb ein gewisser Markus Rogan völlig überraschend eine Medaillie gewann, aus dem Schwimmbecken kam und die gewohnt schwachen Fragen eines ORF-Reporters mit der rhetorischen Technik eines Aristoteles ausmanövrierte. Schon damals, trotz des Erfolgs, wurde Rogan wegen seiner intelligenten Interviews als arrogant abgestempelt. Zudem kam heraus, dass Rogan in den USA studiert hatte, er aus einem intellektuellen Hause stammt und er sich sehr für Bildung, Bücher und Musik interessiert. Spätestens hier war es vorbei mit allen Sympathien. Rogan konnte gewinnen was er wollte – Nie konnte er die Sympathien eines Hermann Maier erlangen, im Gegenteil, in Foren und anderen Kommunikationskanälen wurde er ohne ersichtlichen Grund angefeindet. Selbst als er nur das tat, was Hermann Maier tat, nämlich in die Fernsehwerbung einzusteigen, wurde er vielen gleich „zu lästig“. Hermann Maier kann eine dumme Raiffeisen-Werbung nach der anderen drehen, bei Rogan genügte bereits eine, um negative Reaktionen zu erzeugen. Und dann machte Rogan auch noch den Fehler, schöne Freundinnen zu haben. Reporterinnen, Journalistinnen, Models – Der Neid in Österreich ist ein Hund, und dieser Hund begann sich an Rogan festzubeißen.
Mag sein, dass Rogans Society-Auftritte übertrieben gewesen sind. Mag sein, dass man Rogan sympathisch, oder unsympathisch finden kann. Es ist aber augenscheinlich, dass der Wirbel rund um Markus Rogan nicht von solchen menschlichen Einstufungen, sondern großteils von Intellektuellenhass geprägt ist. Österreich will offensichtlich keinen Sportler, der mit der Rhetorik der Antike vertraut ist und einen Satz ohne grammatikalischen Fehler sprechen kann. Österreich will keinen Sportler, der das Glück hatte, eine tolle Ausbildung genossen zu haben. Österreich will keinen Sportler, der mit seiner Intelligenz unabsichtlich einigen vorgeführt hat, was sie eben nicht haben und können. Österreich will überhaupt nichts intelligentes im Lande haben, weder den „Standard“, die Jelinek, oder den Rogan.
Es ist Rogan anzuraten, Österreich so schnell wie möglich zu verlassen. Es bleibt ihm gar nichts anderes über, will er glücklich werden und in einem Land leben, wo sein Know-How geschätzt wird.
Österreich, 2009: Ein Land, einst ein Land der Kultur. Nun ein Land, das die eigenen Intellektuellen mit Füßen tritt. Und deswegen steht Österreich da, wo es ist – im Niemandsland.
Ah geh Philip komm. Den Artikel schreibst du jetzt aber auch schon seit vielen Jahren immer wieder oder? Ich würd mir von dir als Geisteswissenschafter über die ganze Thematik mal etwas mehr Reflexion wünschen, statt die immergleiche Wiederholung von mal mehr mal weniger berechtigten Vorurteilen gegenüber einem konstruiert homogenen Akteur namens Österreich.
Vertiefe deine einzelnen Argumente doch mal und kritiser nicht immer so polemisch an der Oberfläche rum.
@Grillmeister: Es stimmt mich traurig, wenn sich die Artikel wiederholen. Dies ist jedoch nicht meine Verantwortung, sondern ein Zeichen, dass Österreich sich seit Jahrzehnten im Kreis dreht und die Probleme dieselben geblieben sind. Der Bildungs- und Intelektuellenhass in Österreich ist ein gravierendes und folgenreiches Problem. Daher werde ich es sicherlich nicht vernachlässigen, diese Causa immer wieder anzusprechen, natürlich mit unterschiedlichen Zusammenhängen.
Mein Posting war nicht mehr als copy/paste von einem Kommentar von Tom Schaffer von vor ein paar Monaten. Der einzige, der sich im Kreis dreht, bist du. Konstruktive Kritik zum „schlechten Österreich“ kam von dir noch nie, stattdessen liest man in Wochenabständen Variationen des selben Themas, neue, intellektuell stimulierende Standpunkte, Meinungen oder Einsichten findet man jedoch nie.
@grillmeister3000 plagiat!
@philip: möglicherweise verkennst du hier ein bisschen die realitäten. wenn du artikel zu hermann maier liest, wirst du nicht selten die genau selben dümmlichkeiten lesen, wie sie jetzt dem rogan zufliegen.
zumal ist markus rogan zwar nicht blöd, aber als besonders intellektueller ist er jetzt auch nicht in erscheinung getreten. was die leute nervt ist eher sein braver schwiegersohn-image. der hohn über die prügelei hat auch damit zu tun, dass genau dieses davon angekratzt wird.
das wesen eines sportlers ist meist, dass er polarisiert. logisch: er steht in der öffentlichkeit und sobald er dort etwas von sich gibt, gibt es leute die das mögen oder nicht. nur wenige bis niemand schaffen es, das von allen geliebten idol zu werden.
ich denke du solltest eine sache mal lernen: wer große foren liest, muss dummheit ignorieren können. das sag ich als jemand, der mit solchen foren ja schon aus beruflichen gründen viel zu tun hat. das sind keine representativen samples der bevölkerung.
es hilft nix, wenn du jedes mal einen herzkasperl kriegst, die hirnlosesten unter den hirnlosen größer machst als sie sind und ihre reaktionen in einen neuen artikel einstrickst, den du von naziösterreich bis zum heutigen intellektuellenhass in österreich spannst.
jeder einigermaßen denkende mensch sieht die brillianz solcher geister ja eh selbst.
Gleich im Einleitungssatz gegen Godwins Gesetz zu verstossen, ist eine Meisterleistung.
Wie ordnet sich der oesterreichische Titelwahn eigentlich in diesen Antiintellektualismus ein?
Koenntest du auch ganz konkrete Beispiele fuer Rogans Intellektualismus anbieten? Fuer Sport interessiere ich mich nicht und immer, wenn ich zufaellig ein Interview mit dem sehe, kommt er ziemlich fad drueber. Kein Wunder, dass der kein Werbetraeger ist.
Im Uebrigen sind praktisch alle Intellektuellen, von denen ich etwas halte und die mir so spontan einfallen sehr humorvoll. Humor erfordert schliesslich Intelligenz.
Ein Sportler spielt in der modernen Gesellschaft nicht zuletzt die Rolle des archaischen Helden. Er soll sich mutig und furchtlos fuer die Ehre und den Rum seines Volkes in die Schlacht werfen. Der Herman Maier spielt diese Rolle perfekt.
@Tom Schaffer: sorry, aber diese zwei Absätze von einem früheren Kommentar von dir sind relativ generisch gehalten und passen gleichzeitig auf so ziemlich alles, was ich in den letzten 1,5 Jahren von Philip gelesen hab.
Nun, ich lege dir jetzt meine etwas subjektive Sicht der Sache „Rogan“ dar:
?
Ich vermute, dasss die meisten Unsympathien nicht daher kommen, dass Rogan ein so zu sagen gebildeter Sportler ist. Vielmehr kommt das einfach daher, dass er teilweise offen zugibt arrogant zu sein und irrsinnig gerne im Rampenlicht stehen zu wollen. Es ist doch klar, dass man, wenn man so etwas in der Öffentlichkeit zugibt mit entsprechender Resonanz rechnen muss oder? Glaubst du die Leute hätten bei z.B. Hermann Maier anders reagiert? Oder um ein noch extremers Beispiel zu nennen: bei der Jazz Gitti
Außerdem ist Intelligenz eine Sache, anderen aber dauernd auf die Nase zu binden (wie du oben geschrieben hast) was sie nicht haben können, macht einem einfach nicht so viele Anhänger. Wer will so etwas schon hören? Es gibt ja auch Menschen, die Bildung genossen haben und Bescheiden/Sympathisch sind (z.B. Jodie Foster, ist keine Österreicherin, aber viele finden sie nett).
Aja: und den Standard lesen wirklich viele Österreicher, auch der Falter verkauft sich ganz gut. Die Krone ist wohl deshalb eine der meistgelesenen Zeitschriften, weil es sie am Sonntag einfach „gratis“ gibt und die meisten greifen einfach nach Sachen die billig/leicht zu haben sind.
ALso ich würde an deiner Stelle nicht pauschalisieren und über-dramatisieren.
Und die Jelinek hat in unserem Land auch eine gewisse Berühmtheit erlangt, das lässt sich nicht bestreiten. Dass sie nicht allzu beliebt ist, liegt wiederum daran, dass sie geoutete Österreich-Hasserin ist, komische Stylings bevorzugt
(sie sieht etwas eigen aus, da kannst du mir nicht widersprechen) und sich selbst für psychisch krank erklärt hat.
Versteh mich nicht falsch, ich finde sie ist eine geniale Schriftstellerin, aber sie ist auch einfach verrückt (wahrscheinlich kann sie nur deshalb solch gute Bücher schreiben, also ist es gut sowie es ist).
Ich finde, dass du die Sache insgesamt sehr einseitig und engstirnig siehst. Außerdem halte ich es für gar nicht so schlecht, wenn auch „gebildete“ Leute mit Titel hinterfragt und nicht blind verehrt werden, nur weil sie eine gewisse Position oder einen Universitätsabschluss haben (das war doch auch in der Nazi-Zeit (siehe: KZ-Ärzte) so, mit der du argumentiert hast oder?
).
Ich glaube vielmehr, dass du die Lage so überzogen siehst, damit du kritisch den Weltretter spielen kannst, was dir wiederum ein gutes Gefühl gibt (ist jetzt nicht so böse gemeint, wie es aussieht).
Also dann.
Liebe Grüße,
D. S.
Also – intelligente menschen können sich selbst verteidigen. Intelligenz: Standard: Hochintellektuell, Jelinek: obdrahtes Würschtl, Rogan nur mehr ein Intelleluellllla (weil der hochintelligente Herr mit 27 Jahren un-raiff & eisern seinen Willen durchsetzen wollte. Und da hört es bei mir mit Diskussionen über Intellektuelle auf. Da siegt das Ottakringerische. Gott sei Dank!
Machen sie sich nicht soviel Sorgen um die Intellektuellen in Österreich – der Großteil von Ihnen – Egomanen, Windräder und NLP*- programmierte Affen – die sich selbst nicht hinterfragen. Wahres Leben lernt man nicht auf der UNI – das passiert und da gibt es Menschen mit einem Feeling für das Wesentliche Mein HAUSVERSTAND sage deshalb weiterhin Mohr zu meinem Hemd. Liebe verbissene Intellektuelle/Innen – rutscht mir den Buckel runter!
Ich mag halt keine Intellektuellen, die das Pseudointellektuell vor sich hertragen
Von Bobos ganz zu schweigen – POPOS (Ottakringerisch) wäre da der bessere Ausdruck. Das meint
DER HAUSVERSTAND (Pseudofranzose mit Rollkragenpullover)
Und mein Hemd heißt ab Heute MOHR! So!