Wenige Stunden zuvor habe ich prognostiziert, wie das offizielle Österreich auf die Vorhersage eines Nobelpreisträgers („DieserOberschlaue“!) reagieren wird. Der User „Frank Hosenstall“ hat mir in beleidigender Art und Weise Paranoia vorgeworfen. Wenn meine Worte angeblich Paranoia darstellen, bin ich gerne paranoid, denn unser Finanzminister Pröll hat meine „paranoiden“ Thesen eindrucksvoll bestätigt:
Mit scharfen Worten hat Finanzminister Pröll (ÖVP) den Aussagen des US-Starökonomen und Nobelpreisträgers Krugman widersprochen. Dieser hatte Österreich wegen seiner Osteuropa-Risiken nach Island und Irland zum nächsten Pleitekandidaten ausgerufen. Als „Witschaftskrieg“ und „glatt falsch“ bezeichnete Pröll Krugmans Vorhersagen. Hinter dem „Bashing“ ortet Pröll Neider, die nur darauf warten würden, Österreichs Topposition im Osten einzunehmen. Doch auch Pröll hat eine schlechte Nachricht: Österreich droht wegen des steigenden Budgetdefizits ein EU-Verfahren.
Wie argumentiert Finanzminister Pröll? Eigentlich gar nicht. Stattdessen bezichtigt er Krugman, gegen das arme Österreich, die „Insel der Seligen“, einen Wirtschaftskrieg führen zu wollen. Pröll fährt die „Alle sind gegen das kleine Österreich!“-Schiene, weil er ratlos und tatenlos mitansehen muss, wie eine Firma nach der anderen in Konkurs geht oder auf Zeitarbeit umstellt, und das Land mit einem unfassbaren Budgetdefiztit (übrigens erste Anzeichen eines drohenden Staatsbankrottes) konfrontiert wird. Um die eigene Überforderung zu überdecken, wird also in Krugman, der es wagt, das Wahrscheinliche zu analysieren, eine neue Feindfigur erfunden. Im Zweifelsfall kann man schließlich Krugman für alles die Schuld geben. Vermutlich ist Krugman dann ein Zauberer, der mit seiner Kristallkugel Österreich in den Ruin getrieben hat.
Was hätte ein Politiker von Format gemacht? Er hätte in Zusammenarbeit mit dem Kanzler Krugman nach Österreich eingeladen und mit dessen genialer Expertise beraten, wie man noch retten kann, was noch zu retten ist.
Aber Österreich hat keine Politiker mehr von Format. Österreich ist ein verlorenes Land, und das nicht nur politisch.
Nein, du hast nichts prognostiziert, du hast behauptet, „das offizielle Österreich“ hätte bereits reagiert, und ohne jegliche Belege u.a. Vertuschung vorgeworfen. Im übrigen kann ihr dir nur zu Herzen liegen, auch ein paar kritische Schriften zu Paul Krugman zu lesen – so „genial“ wie du meinst ist er nämlich nicht, auch Nobelpreisgewinner sind keine Götter.
Beruhig Dich wieder: Krugmann kocht auch nur mit Wasser. Dass die Ostgeschäfte Österreichs zu einem Problem werden könnten ist schon länger bekannt (ich hab bereits am 28. Oktober in meinem Blog darüber geschrieben). Das Blog „Verlorene Generation“ veröffentlicht Wöchentlich den CDS-Spread der Staatsanleihen und schätzt daraus die Wahrscheinlichkeit für einen Staatsbankrott in den nächsten 10 Jahren (für Österreich im Moment 23%, war aber auch schon bedeutend höher). Eine Grafik im Verlorene Generation-Blog zeigt, dass die Wirtschaft sich über dieses Problems schon seit über einem Jahr klar ist (CDS-Spread von Österreich wird plötzlich deutlich größer als der von Deutschland).
Nur wenn es zu massenhaften Kreditausfällen kommt UND Österreich versucht die betroffenen Banken zu retten, kann es zum Staatsbankrott kommen. Dass die österreichischen Politiker so reagieren wie sie das jetzt tun ist klar: was sollen sie auch sonst machen? Das liegt alles nicht in deren Hand. Das einzige was sie tun können ist in der EU Lobbying für einen Ost-Bailout zu betreiben.
@ Michael
Ja. Beruhigung ist angesagt. Ich glaube nicht, dass Österreich sich selbst mit der Übernahme der Banken langfristig übernehmen würde. Auch 120 % oder ein bisschen mehr Staatsverschuldung kann der österreichische Staat kurzfristig vertragen. Und wenn die Banken gscheit pre-privatisiert werden, dann kommt es auch billiger. In der Insolvenz hätten die Aktien einen Wert von 0 und auch die Kreditoren würden Abschläge in kauf nehmen müssen. Aber es wäre notwendig wenn sie krachen, sonst haben wir in Österreich eine fundamtale Kreditklemme. Die wahre Katastrophe wäre wenn der Raiffeisen- und der Sparkassensektor als in Österreich Kreditgeber ausfallen würden. Denn diese sind in Österreich systemisch mehr als relevant.
Wann würde das passieren? Es braucht ca. 20 % Kreditausfälle. soweit kolportiert. Allerdings sind bei den US Subprimes angeblich einiges mehr. Bei Wechselkursanpassungen (passieren schon) und Fremdwährungskrediten schaut es im Osten schwarz aus, weil die Schuldenlast für Staat und Private steigt. Da keiner weiss wie hoch die Anzahl an Fremdwährungskrediten derzeit ist und wie groß der Haircut (abschlag auf den Wert des Hauses oder anderen Kollateral) war wissen wir wenig über den derzeitigen Zustand.
(vgl. http://oekonomised.blogspot.com/2009/04/verstaatlichung-als-ordnungspolitik.html)
@nackenstütze: Ich frage mich, was im Fall der Fälle passieren würde. Die einzelnen Raiffeisen und Sparkassen sind ja eigentlich selbstständig. Bei einer Insolvenz von z.B. „Raiffeisen International“ – wie würde sich das auf die einzelnen Raiffeisenbanken auswirken? Sicher wäre es sehr unangenehm, aber ob dann wirklich gleich der ganze Raiffeisensektor ausfallen würde?
@ michael: Natürlich kann ich das nicht absehen. Der ganze Sektor mag etwas übertrieben sein. Aber wenn man sieht wie in Deutschland einige Sparkassen durch ihre Beteiligungen bei den Landesbanken einknicken, so darf man einiges befürchten. Die RZB gehört den Landesraikas und die wieder den Raikas. Zu welchen Bewertungen stehen die Beteiligungen in den Bilanzen? Vom Sparkassensektor weiss man dass Erste Aktien bei den kleinen Kassen mit 30 Euro in den Bilanzen 2008 stehen. Das birgt Bilanzverkürzungspotential.
Ich zitiere mal Paul Krugman selber (http://krugman.blogs.nytimes.com/2009/04/15/austria/):
Aber einfach mal den Herrn selber befragen bzw. nachzulesen, was er denn konkret gesagt hat, ist unspektakulärer als den 20. Politik-Bashing-Beitrag posten.
Sehr wahr. Das erste was ich tat nachdem ich von dem angeblichen Statement gehört hatte, war sein Blog aufzusuchen und ihm eine Mail zu schreiben. Bin gespannt ob er sie beantwortet.
Übrigens ists ein wunderbares Beispiel dafür, was Twitter einem Journalisten nutzen kann, dass Armin Wolf gestern noch vor der Sendung von dem Blogpost erfahren hat und somit ein besseres Bild als andere JournalistInnen zeichnen konnte.
Was mich an den öffentlichen Reaktionen nervt ist nämlich weniger, dass das offizielle Österreich versucht, Österreich zu verteidigen und schönzureden. Das ist eh logisch. Was mich nervt ist, dass kaum drauf eingegangen wird wird, was Krugman eigentlich gesagt hat und in welchem Kontext. Es wird alles auf einen Halbsatz verkürzt.
Hat er geantwortet?