Liebe Grüne,
es war wunderschön mit euch. Ihr habt mir lange Zeit Hoffnung und eine politische Heimat gegeben. Ihr habt mir die schwarz-blaue Horrorzeit erträglich gemacht. Ihr habt die Flagge der Vernunft, der Menschlichkeit, der Intelligenz hochgehalten. Ihr habt auf den Populismus gepfiffen. Ich konnte euch als Liberaler wählen, mit Stolz und ohne Bedenken. Obwohl ich mich 2008 fürs LIF entschied, und ich mich über eure niveaulose Anti-LIF-Kampagne ärgerte und so noch mehr in die Arme des LIF gedrängt wurde, habe ich für euch viel mehr Prozent erhofft, als ihr schließlich bekommen habt.
Aber nun ist es aus, und das vermutlich für eine lange Zeit. Nun sind alle meine derzeitigen grünen Hoffnungen vernichtet. Ich habe es schon befürchtet, als Glawischnig an die Macht kam. Dass sie aber einen Anti-EU-Kurs fahren wird, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Das ist nicht nur beschämend, entsetzlich, unerträglich, sondern auch eine antiintellektuelle Chuzpe, die die Grünen zu einer populistischen, unbürgerlichen und für mich nicht mehr wählbaren Partei macht. Wer denkt, die Aussagen einer einzigen Person seien das alles nicht wert, der irrt: Es handelt sich um eure Parteichefin, die so einen Stuss von sich gibt. Es handelt sich um eure Parteichefin, die jahrelang das Projekt Europa befürwortete, und nun auf einmal mit Füßen tritt, weil sie nicht die Fähigkeiten eines Van der Bellen besitzt, ins Trudeln kommt und dafür ihre politische Ehre opfert.
Wenn es so ist, dass ihr Grüne keine Anhänger mehr haben wollt, die weltoffen, europabegeistert sind und etwas gehobenere Ansprüche besitzen, dann hättet ihr es auch behutsamer sagen können, ohne auf das Friedensprojekt Europa herumzutrampeln. Auf was wollt ihr nun pochen? Wollt ihr nun quasi zu einer grünen FPÖ werden? Ein harter Vergleich? Finde ich nicht. Ist es nicht so, dass der Politikstil der Grünen seit Glawischnigs Übernahme immer mehr der FPÖ ähnelt, natürlich ohne Ausländerfeindlichkeit und Menschenhatz? Ist es nicht so, dass man sich beim Anpatzen des politischen Gegners immer mehr den FPÖ-Stil aneignet? Zumindest mit dem EU-Kurs ist man nun der FPÖ schon näher als der ÖVP. Wenn Glawischnig von irgendwelchen EU-Lobbys daherfaselt, ist das kein Unterschied zu Straches EU-Bürokraten-Geschrei. Auch wenn ihr es nicht wahrhaben wollt.
Das, was aktuell passiert, ist eine absolute Katastrophe. Der letzte Ort der politischen Intelligenz im Parlament ist nicht mehr. Die aufrechten Grünen können sich nur selbst helfen: Indem sie erkennen, dass die gegenwärtige Leitung die Partei in den moralischen und ethischen Ruin führt
Für mich war’s das aber bei den Grünen. Und ich wage zu behaupten, für viele weitere auch.
Ciao!
[...] Europawahl 09: Grüne holt euch 20%! Im Juni 2007 wählen die 500 Millionen BürgerInnen ihre parlamentarische Vertretung auf EU-Ebene. Österreich wird zu diesem Zeitpunkt ein Mandat weniger (17) bekommen als bisher (18). Eigentlich hätte unser Alpenland ja sogar einen zusätzlichen Sitz bekommen sollen (19), aber so ist es nicht. Hat die EU uns betrogen? Nein, der Vertrag von Lissabon, der kleinen Ländern wie Österreich, Schweden, Malta und Slowenien etwas mehr Gewicht geben sollte, wurde halt noch nicht ratifiziert. Und jetzt sagt Eva Glawischnig, dieser Vertrag sei ihrer Ansicht nach tot. Oha! Der Steiner beschwert sich und sagt den Grünen Ciao. [...]
[...] 2008 Uncategorized Ein Standard-Interview von Eva Glawischnig hat einiges Aufsehen (hier, hier und hier) erregt. Die Frage scheint zu sein, ob die Grünen jetzt auf Anti-EU-Kurs sind oder [...]
[...] der das getan hat, ist beispielsweise Philip von Liberal in Österreich. Waren die Grünen bei der letzten Nationalratswahl für ihn noch potentiell wählbar (es ist dann [...]
[...] die Grünen wären plötzlich gegen den Inhalt des Vertrags von Lissabon, dann wäre auch die scharfe Reaktion von Philip für mich verständlich. Sind sie aber wohl nicht, viel eher dürfte es einer eher weniger [...]
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