Das österreichische Fußballnationalteam ist schlecht. Sehr schlecht sogar. So schlecht, dass ich mir kaum ein Spiel dieser Mannschaft ohne Bauchweh anschauen kann. Trotzdem beobachte ich den Verlauf des österreichischen Fußballs, dessen Umfeld und Analyse. Weil dieses Sammelsurium an Parametern ein unfassbar genaues Sittenbild davon abliefert, was in Österreich alles falsch läuft. Der Grund, warum Österreich zur Fußballzwergennation verkommen ist, ist der, dass der Fußball in diesem Lande als Punchingball der leidenden österreichischen Seele missbraucht wird. Dies beginnt beim ÖFB, und hört beim kleinen Fan auf, der die ohnehin hier beliebten Minderwertigkeitskomplexe („Wir armen, kleinen Österreicher!“) auf das Fußballteam übertragt und dem Ausländer (Brückner) die Schuld für alles Unheil gibt.
Wenn man die Zeitungen liest, merkt man sofort, dass man zu einer tiefgründigeren Analyse nicht fähig ist. Im „Kurier“ etwa erklärt man sich die Fußballmisere dadurch, dass Österreich über zu viele nachdenkliche und intellektuell-angehauchte „Weicheier“ als Fußballer verfüge. Und natürlich ist das Internet (!!!) und der ganze I-Pod-Müll auch für die mangelnde Ballbehandlung unserer Kicker verantwortlich. Hier findet sich wieder die altbekannte Intellektuellenfeindlichkeit, die in Österreich nicht nur im Sport anzutreffen ist. Lieber sollten sie wieder Kartenspielen, meint der „Kurier“, ähnlich wie einst einmal Peter Pacult, der ja auch als eine Speerspitze der Cordoba-Fraktion, die eigentlich für den Untergang des österr. Fußballs gesorgt hat (Theorie von Martin Blumenau), agiert.
Überall Seichtheit, wohin man schaut. Und die wenigen Fußballexperten in Österreich, die höhere Positionen inne haben (Hochhauser, Ruttensteiner, Gludowatz) schweigen ebenso wie es die österreichische Intelligenz außerhalb des Fußballs macht, weil sie schon längst aufgegeben hat.
Und so wird es weitergehen, bis selbst der Punchingball zu einem Klumpen Brei geschlagen worden ist. Schuld ist dann wer anderer – halt typisch österreichisch.